Giuseppe Madonia

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Galerie städtische Metaphern





In den Bildwelten Giuseppe Madonia's erscheinen keine Menschen. Es ist ein besonderes Merkmal seiner Bilder.
Was stellen seine Bilder dar? Stadtansichten" habe ich gelesen. Tja, die Sprache ist für die Kunst nur eine Krücke.
Für die Bildwelten des Italieners Giuseppe Madonia gilt das ganz besonders.
Was wir erkennen können, das sind vage ausgedrückt: urbane Szenen. Architektur gliedert das Bild ebenso wie Landschaften mit weitem Horizont. Um eine Identifizierung eines bestimmten Ortes, oder vieler Orte,
die wir in Madonias Bildern antreffen geht es hier nicht. Nie hat Madonia einen konkreten Ort abbilden wollen,
geschweige denn topographisch genau gearbeitet.








(Fortsetzung Vortrag der Kunstpublizistin Friederike Otto)

Doch wohin entführt uns Madonia?
Offensichtlich haben wir es bei seinen Bildern innerhalb eines Rahmens mit mehreren Motiven, bzw.
Perspektiven zu tun. Und bei genauerer, näherer Betrachtung erkennt man darüber hinaus, das Madonia
nicht auf einem einheitlichen Bildträger malt, sondern auf mehr oder weniger vielen verschiedenen Kartons,
deren Kanten sich wie Linien im Motiv treffen. Sehr deutlich wird dieses Verfahren bei den drei Arbeiten an
der Mittelsäule, die den Titel Ausflug tragen und im letzten Jahr entstanden sind. Wir sehen jeweils neun Motive,
auf neun Kartons, die klar angeordnet 3x3 zu einem Bild zusammen gefasst sind.
Dadurch entstehen - von einem der Motive zum anderen - deutliche Brüche, es sind aber auch vereinzelt
Anschlüsse möglich....
Mich erinnerten diese Bilder spontan an diese kleinen Motivpuzzle, bei denen man mittels einer Leerstelle
die Bildteile verrücken kann um schließlich ein einheitliches Motiv zu erhalten. Bei den Puzzeln gilt:
Entweder ergibt die Konstellation der Teile das Motiv oder es herrscht Chaos.
Bei den Bildern Madonias funktioniert es anders. Hier geht es nicht um Anordnung der Teile zu einem Ganzen,
sondern um ein zusammensehen als einen - wie der Titel schon sagt - Ausflug.
Und bei aller Vielschichtigkeit verbinden sich seine Bildwelten durch eine große Balance zu einer
bewegenden Einheit. Diese Balance entsteht zum einen durch die Motive: Bei aller Variation der
vielen Ansichten - und dies bezieht sich nicht allein auf die Bilder hier, sondern auf die ganze Ausstellung,
sind es doch im wesentlichen zwei immer wiederkehrende Bildmotive.
Zum einen die Architektur, wesentlich durch die vertikale Linie geprägt, zum anderen die Landschaft
mit dem Blick bis zum Horizont. Madonias Bildwelten handeln sehr viel von der Balance von Vertikale/Horizontale,
Architektur/Natur, Nähe und Ferne. Als Gegensatz? Vielleicht auch aber sicher ebenso im Sinne einer Balance.
Und auch der Farbklang schafft eine große Balance in diesen Bildern .

Das wir es im wesentlichen mit den Grundfarben der europäischen Farblehre zu tun haben - blau, rot
und gelb - entgeht einem fast. Das liegt an ihrem Tonwert einerseits und an der herausragenden Technik,
die der Malerei Giuseppe Madonias eine spezielle Anmut verleiht...
Madonia schafft es, das bei all dem flirrenden Nebeneinander der Ansichten
eine große innere Verbindung spürbar wird.
Die Verwendung mehrerer Kartons für eine Arbeit erinnert an seine Collagen der 90er Jahre.
8 - 9 Jahre lang hat Madonia sich ausschließlich der Collage gewidmet.
In diesen Arbeiten hat er mit verschiedensten Strukturen und Oberflächen gearbeitet.
Bestimmend aber war insbesondere die Arbeit mit fragmentarischenElementen - wie es in Collagen üblich ist.
Den Aspekt des Fragmentes, den Aspekt der beweglichen Fläche nimmt er nun seit drei Jahren mit
in eine neue Schaffensphase, in der er technisch gesehen wie früher arbeitet: - mit Ölkreide
Madonia kehrt zur gegenständlichen Malerei und zur Ölkreide zurück. Doch sind es nun nicht mehr einzelne Motive,
sondern ein Zusammenspiel mehrerer unglaublich entgrenzter Orte - wie wir hier bewundern können.

Meine Damen und Herren, die Orte Madonias erhalten ihre besondere Qualität durch die spezielle Technik, die
ich kurz erläutern möchte: Madonia malt nicht in Öl auf Leinwand, sondern arbeitet mit Ölpastellen, Ölkreiden.
Die weiche Kreide wird aber nicht zeichnerisch als Linie auf den Karton gebracht, sondern malerisch,
flächendeckend aufgetragen. Und zwar in mehreren Schichten. Und so kommt es zu einer satten Farbigkeit,
die zum Teil auch wieder abgekratzt wird um die Linien freizusetzen. Dadurch entsteht diese weiche, patinagleiche,
sehr sinnlichschroffe Oberfläche, die eine eigene Tiefe, aber wenig räumliche Wirkung hat.
Die Erzeugung dieser besonderen Farbflächen setzt Madonia nun in ein spannendes Verhältnis seiner
strengen Linienführung. Und das kommt der Komposition entgegen: Die Linien gliedern das Bild. Das disegno, die Zeichnung bildet die Basis - Madonia arbeitet in vielerlei Hinsicht überaus klassisch. Während im oberen Bereich dieses Bildes Incanto die Konstruktion der Perspektive durch die Linienführung erkennbar ist, gerät das Bild im unteren Bereich zu einer abstrakten Komposition vertikaler Flächen.

Madonias Bilder besitzen eine gewisse Nähe insbesondere zur italienischen Malerei der Frührenaissance.
Zum einen formal was diese Architekturformen betrifft, die Fassaden mit den kleinen Fenstern, aber auch
die Farben: Das erinnert mich sehr stark an schon Giotto oder aber auch Piero della Francesca.
Und gerade in diesem Bezug zum 14. Jhd. empfinde ich die Verwendung der Perspektive bezeichnend.
Gerade in der Frührenaissance wird die Perspektive wiederentdeckt. Mit Hilfe ihrer Konstruktion war
der glaubhafte Bildraum zur Perfektion gelangt und sollte Jahrhunderte die Malerei bestimmen.
Malerei als Fenster zur Welt". Auch bei Madonia organisiert die Perspektive sehr viel die Komposition.
Doch nutzt er sie nicht als Instrument einer glaubhaften, eindeutigen Bestimmung von Bildraum,
wie dies die historischen Klassiker taten.

Vortrag anläßlich der Ausstellungseröffnung im

ARTFORUM Hannover 29. 09 2002
Kunstpublizistin Friederike Otto

metafore urbane

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Grossansichten



"Incanto" (Der Zauber) 2001 Ölpastell auf Papier 78 x 78

"La scienza del cielo" 2001 Ölpastell auf Papier 150 x 150

"Il ritorno delle nuvole" 2002 Ölpastell auf Papier 78 x 78

"Transit Mundi" 2001 Ölpastell auf Papier 115 x 115

"Centro gravitatione" 2001 Ölpastell auf Papier 70 x 70

"Ausflug" 2002 Ölpastell auf Papier 51 x 51

"Settembre" 2001 Ölpastell auf Papier 154 x119

"Sonno" 2002 Ölpastell auf Papier 78 x 78

"La vita segreta del silenzio" 2001 Ölpastel auf Papier 160 x 150

"Il Ritorno della sera 3" 2002 Ölpastell auf Papier 116 x 116

"Il Ritorno della sera 1" 2000 Ölpastell auf Papier 116 x 116



"Il Ritorno della sera" 2 2000 Ölpastell auf Papier 116 x 116


"Le Rotte della vita" 2001 Ölpastell auf Papier 200 x 200

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